Was Suchmaschinenoptimierung kostet – und warum Ihnen niemand einen Festpreis nennt
Ein Küchenbauer aus meinem Bekanntenkreis hat letzten Monat drei Angebote für SEO eingeholt. Das günstigste lag bei 390 Euro im Monat, das teuerste bei 4.800. Beide Anbieter versprachen ihm „mehr Sichtbarkeit bei Google". Er rief mich an und fragte, welches der beiden Angebote denn nun realistisch sei. Meine ehrliche Antwort: keins von beiden, zumindest nicht, solange er nicht weiß, was in diesen Paketen eigentlich drinsteckt.
Das ist das Grundproblem bei den Kosten für Suchmaschinenoptimierung: Sie zahlen nicht für ein Produkt, sondern für Arbeitszeit, Werkzeuge und Erfahrung. Und die lassen sich beliebig strecken oder zusammenstreichen, ohne dass man es von außen sieht. Ich habe in den letzten Jahren einige dieser Rechnungen gesehen, selbst welche geschrieben und auch zwei verbrannt. Deshalb hier das, was in den üblichen Preisübersichten fehlt.
Wichtige Erkenntnisse
- Freelancer liegen meist bei 75 bis 150 Euro pro Stunde, Agenturen bei 150 bis 300 – der Unterschied liegt selten in der Qualität, oft nur in den Fixkosten.
- Ein Monatsbudget verteilt sich typischerweise auf technische Arbeit, Content, Linkaufbau und Reporting, wobei Content und Technik zusammen meist zwei Drittel ausmachen.
- Die erste Zahlungsrate sagt nichts über die Rentabilität. Entscheidend ist der Cost per Acquisition im Vergleich zu bezahlter Werbung.
- Rechnen Sie mit laufenden Nebenkosten für Werkzeuge und Texte, die in fast keinem Angebot auftauchen.
- Inhouse ist nicht automatisch günstiger als extern – aber es ist planbarer.
- Ein Vertrag mit zwölf Monaten Mindestlaufzeit ist bei einem frisch relaunchten Projekt riskant.
SEO-Kosten pro Monat: was die Zahlen wirklich bedeuten
Wenn Sie Angebote vergleichen, achten Sie zuerst darauf, wie viele Stunden darin stecken. Ein Paket für 1.200 Euro monatlich klingt günstig, bis man merkt, dass es acht Arbeitsstunden umfasst. Das sind 150 Euro die Stunde für Arbeit, die zum Teil aus Routine besteht.
Die typische Verteilung eines Monatsbudgets
Bei den Projekten, die ich begleitet habe, sah die Aufteilung eines mittleren Budgets ungefähr so aus:
- Technisches SEO: rund 30 Prozent – Ladezeiten, Indexierung, strukturierte Daten, Weiterleitungen. Bei einem sauberen Shop fällt das irgendwann auf zehn Prozent zusammen, bei einem gewachsenen System bleibt es bei 40.
- Content: 30 bis 40 Prozent. Neue Seiten, Überarbeitung alter, Kategorietexte. Das ist der Posten, der am ehesten gekürzt wird und am stärksten weh tut, wenn man es tut.
- Linkaufbau und digitale PR: 15 bis 25 Prozent.
- Reporting, Abstimmung, Projektmanagement: der Rest. Meist zehn bis 15 Prozent, in Agenturen gern etwas mehr.
Auffällig: In Angeboten unter 800 Euro im Monat fehlt fast immer der Content-Posten komplett. Da wird dann „On-Page-Optimierung" versprochen, was in der Praxis heißt: Titel tags umschreiben und ein paar interne Links setzen. Das ist keine Optimierung, das ist Aufräumen.
Website Optimierung Kosten sind nicht dasselbe wie SEO-Kosten
Ein Punkt, der ständig durcheinandergeht. Wenn Ihr Shop technisch veraltet ist, zahlen Sie zuerst für die Website. Neue Templates, ein sauberes CMS, ordentliche URL-Strukturen. Das ist keine SEO-Maßnahme, das ist die Voraussetzung dafür.
Ich habe 2023 einen Relaunch für einen Händler mit etwa 900 Produkten begleitet. Der technische Umbau kostete einen niedrigen fünfstelligen Betrag und dauerte viereinhalb Monate. SEO-Arbeit fand in dieser Zeit faktisch nicht statt. Wer das nicht einplant, zahlt doppelt: erst für den Umbau, dann für die Rankings, die währenddessen abgestürzt sind. Bei uns waren das übrigens rund 40 Prozent Sichtbarkeitsverlust in den ersten sechs Wochen nach dem Go-live, den wir erst nach weiteren drei Monaten wieder aufgeholt hatten.
Einmalige SEO Optimierung Kosten: gibt es das überhaupt?
Ja, aber nur für bestimmte Bausteine. Ein technisches Audit ist eine einmalige Sache. Eine Keyword-Recherche auch. Das Problem: Diese Einmalzahlungen verändern selten etwas dauerhaft, weil Suchmaschinenoptimierung ein Instandhaltungsgeschäft ist.
Was tatsächlich einmalig abgerechnet wird:
- Ein umfassendes Audit – je nach Größe der Seite zwischen 1.500 und 6.000 Euro.
- Eine Machbarkeits- oder Potenzialanalyse vor dem Start.
- Die Migration oder der Relaunch selbst, sofern der Dienstleister die Umsetzung übernimmt.
- Schulungen für das eigene Team, wenn Sie Inhalte später selbst pflegen wollen.
Alles andere, was Ihnen als „einmalige Optimierung" verkauft wird, ist in Wahrheit eine Anzahlung auf einen laufenden Prozess. Ich habe 2021 selbst ein solches Paket verkauft und es später bereut: Der Kunde war nach drei Monaten zufrieden, nach sechs Monaten ratlos, weil die Konkurrenz einfach weitergeschrieben hatte. Seitdem biete ich Einmalpakete nur noch mit einem klaren Hinweis an, was danach passieren muss.
Cost per Acquisition: die Zahl, die wirklich zählt
Über Monatsbudgets zu reden, ohne die Ergebnisse zu betrachten, ist wie über Spritpreise zu reden, ohne zu wissen, wie weit man fährt. Deshalb hier der Rechenweg, den ich inzwischen bei jedem Projekt aufstelle, bevor ich ein Angebot schreibe.
SEO gegen Google Ads im Direktvergleich
Nehmen Sie einen Handwerksbetrieb mit einem Auftragswert von durchschnittlich 2.400 Euro und einer Abschlussquote von 25 Prozent auf Anfragen. Bei Google Ads lag der Klickpreis in dieser Branche zuletzt häufig zwischen 6 und 14 Euro, die Conversion-Rate auf der Website bei vielleicht 4 Prozent. Daraus ergibt sich ein Cost per Lead im Bereich von 150 bis 350 Euro – und ein Cost per Acquisition, also pro tatsächlichem Auftrag, im vierstelligen Bereich.
Bei SEO sieht die Rechnung anders aus, aber nicht sofort. In den ersten sechs Monaten zahlen Sie meist mehr als Sie zurückbekommen. Danach sinkt der Cost per Lead in der Regel deutlich, weil Sie keine Klickkosten mehr tragen, sondern nur die laufende Arbeit.
| Kriterium | Google Ads | SEO |
|---|---|---|
| Erste Ergebnisse | Tage bis Wochen | drei bis neun Monate |
| Kosten pro Klick | direkt, schwankt mit Auktion | keine |
| Kosten pro Lead nach einem Jahr | bleibt konstant hoch | sinkt meist deutlich |
| Abhängigkeit | Budget und Wettbewerb | Qualität der eigenen Inhalte |
| Vorlaufkosten | gering | hoch |
| Planbarkeit | sehr hoch | mittel |
In einem Projekt im Maschinenbau haben wir über zwölf Monate 28.000 Euro in SEO gesteckt und am Ende bei 71 zusätzlichen qualifizierten Anfragen gestanden. Macht knapp 400 Euro pro Anfrage. Parallel liefen Ads mit 620 Euro pro Anfrage bei ähnlicher Qualität. Kein Sieg nach Punkten, aber einer nach Zeit.
Die Kosten, die keiner erwähnt
Werkzeuge. Ein brauchbares Rank-Tracking und Backlink-Controlling kostet je nach Anbieter und Anzahl der Projekte schnell 100 bis 400 Euro im Monat. Manche Agenturen rechnen das durch, viele schlagen es auf.
Texte. Wenn Ihr Dienstleister schreibt, ist das im Retainer enthalten. Wenn Sie selbst schreiben, kostet es Sie Zeit – und gute Fachtexte von externen Autoren liegen je nach Tiefe bei 150 bis 600 Euro pro Stück. Bei vier Texten im Monat sind das schnell mehr als das halbe SEO-Budget.
Vertragslaufzeiten. Zwölf Monate Mindestlaufzeit sind bei Agenturen üblich, manchmal achtzehn. Bei einem Projekt, das gerade erst startet, würde ich das nicht unterschreiben. Sechs Monate mit Verlängerung um jeweils drei reichen aus, um Verbindlichkeit zu schaffen, ohne sich zu binden.
Und dann ist da noch der Punkt, den ich anfangs erwähnt habe: Inhouse ist nicht billiger. Ein SEO-Manager kostet in Deutschland als Vollzeitkraft ein mittleres bis hohes fünfstelliges Jahresgehalt, dazu Werkzeuge, Weiterbildung, Einarbeitung. Dafür bekommen Sie jemanden, der Ihr Geschäft wirklich kennt – was externen Dienstleistern oft nach zwei Jahren noch nicht gelingt.
Woran Sie ein überteuertes Angebot erkennen
Drei Dinge lassen mich bei einem Angebot sofort stutzen. Erstens: eine Garantie auf Rankings. Das kann niemand seriös versprechen. Zweitens: ein Reporting ohne Stundenaufstellung. Wer Ihnen nicht zeigt, wohin die Zeit fließt, hat etwas zu verbergen. Drittens: derselbe Preis für jedes Projekt, unabhängig von Branche und Ausgangslage. Ein Zahnarzt in einer Kleinstadt und ein Onlineshop mit 4.000 Produkten haben schlicht nicht denselben Aufwand.
Umgekehrt gilt: Ein sehr niedriges Angebot ist fast immer teurer. Nicht sofort, aber nach achtzehn Monaten, wenn klar wird, dass nichts Substanzielles passiert ist und Sie die verlorene Zeit nicht nachkaufen können.
Und noch etwas, das ich erst spät gelernt habe: Fragen Sie nach Referenzen mit Zahlen, nicht nach Kundenlogos. Wer Ihnen keine Entwicklung beim organischen Traffic nennen kann, hat keine.
Was mich zum Schluss zu einer unbequemen Frage bringt. Wenn ein Anbieter Ihnen heute sagt, was SEO im nächsten Jahr kosten wird, dann verkauft er Ihnen eine Sicherheit, die es in diesem Feld nicht gibt. Die ehrliche Antwort lautet: Sie sollten ein Budget festlegen, das Sie zwölf Monate lang durchhalten können, ohne nervös zu werden. Denn genau diese zwölf Monate sind die eigentliche Rechnung – und die stellt Ihnen niemand vorab aus.